Choy Li Fut
Choy Li Fut

Choy Li Fut, heute einer der anschaulichsten Kung Fu Stile, ist durch seine langen, graziösen Bewegungen gekennzeichnet. Diese Bewegungen werden rasch und flüssig ausgeführt. Um diesen Stil zu verbreiten, wurden in Hong Kong zwei große Organisationen gegründet: Die Choy Li Fut Kampfsportart Association (in Gedenken an Chan Heung) und die über die ganze Welt verbreitete Choy Li Fut Association. Sigung Kong ist deren Repräsentant in übersee und Siu Lum Pai ist mit beiden Organisationen eng in Verbindung.

Chan Heung - Der Begründer des Choy Li Fut

Chan Heung Meister Chan Heung, der Begründer des Choy Li Fut, wurde im Juli 1806 in der chinesischen Provinz Kwantung geboren. Im Alter von sieben Jahren begann Chan mit seinem Onkel, der ein Schüler des Shaolin-Klosters war, Kung Fu zu trainieren. Der Junge, der sowohl geistig, wie auch körperlich seinen Altersgenossen weit voraus war, machte in der Kampfkunst rasche Fortschritte. Mit 15 Jahren war Chan der beste Boxer in der ganzen Umgebung. Als er 17 Jahre alt war, wurde er von einem Shaolin-Schüler namens Li Yau Shan, einem älteren Mitschüler seines Onkels unterrichtet.

über mehrere Jahre hinweg nahm Chan begierig die Lehren Meister Li´s in sich auf. Eines Tages sprach Meister Li: "Dein Onkel und ich verbrachten 20 Jahre im Shaolin-Kloster. Es ist unbegreiflich, wie du all das, was unser Können ausmacht, in lediglich der Hälfte der Zeit lernen konntest. All dein weiterer Unterricht müsste direkt von einem Shaolin-Priester kommen. Aber die meisten Mönche haben die Gegend verlassen. Der Einzige von dem ich etwas weiß, ist ein Wandermönch namens Choy Fok. Er führt jedoch ein sehr zurückgezogenes Leben und will nicht gestört werden." Chang jedoch, den es nach weiteren Kenntnissen dürstete, beschloss, den einsiedlerischen Mönch aufzusuchen.

Nachdem er am Berge Lau Foo angekommen war, suchte Chan Heung so lange, bis er den Priester endlich aufgespürt hatte. Choy Fok las das Schreiben, welches Chan mitgebracht hatte, und sagte daraufhin: "Ich habe schon lange mit dem Ausüben der Kampfkunst aufgehört. Wenn du nun also gekommen bist, nur von mir Kraft und Geschick im Boxen zu erlernen, muss ich dich leider enttäuschen. Ich bin einfach schon zu alt dafür. Die Jahre, die mir noch bleiben, werde ich ganz den Lehren Buddhas widmen. Wenn du willst, kannst du bei mir bleiben, und mit mir zusammen unsere Religion studieren."

Anstatt enttäuscht zu sein, kniete Chan Heung vor dem Priester nieder und nahm sein Angebot, ein Schüler Buddha´s zu werden, demütig an. Obwohl die Studien der Religion fast Chan´s gesamte Zeit beanspruchten, war er immer noch sehr an den Kampfkünsten interessiert. In seiner freien Zeit übte er weiter den Shaolin-Stil, den er gelernt hatte.

Eines Morgens trainierte er Fußfeger an Bambusstümpfen in einer stark bewaldeten Gegend. Er kickte auch Felsen mit seinen Füßen in die Luft und zertrümmerte sie in tausend Teile, als sie wieder auf die Erde zurückfielen. Plötzlich stand der Mönch neben ihm und fragte: "Ist das alles, was du kannst?" Er deutete auf einen 50-60 Pfund schweren Felsen, der in der Nähe stand und sagte: "Versuche, ihn in die Luft zu schleudern."

Chan nahm seine ganzen Kräfte zusammen und stieß mit seinem Fuß gegen den Felsen und beförderte ihn in die Luft. Stolz auf seine Leistung wartete Chan auf ein Lob seitens des Mönchs. Ohne ein Wort zu sagen, ging Choy Fok langsam auf den Felsbrocken zu und stemmte seinen Fuß unter ihn. Er wirbelte in einer graziösen, schnellen Bewegung herum und der Fels flog über 12 Fuß weit durch die Luft.

Von diesem Moment an war es Chan Heung klar, dass der Priester noch immer über eine Art übernatürlicher Kraft verfügte. Er bat den Mönch sofort, ihn zu unterrichten. Dieser, mit Chan´s Charakter und seiner Geduld sehr zufrieden, stimmte zu, und während der nächsten acht Jahre lehrte er Chan Heung alles, was er über Kung Fu wusste.

Als Chan 29 Jahre alt war, verließ er den Mönch und kehrte in seine Heimatstadt zurück. Er dachte über alles nach, was er in den vergangen Jahren gelernt hatte. Im Jahre 1836 schließlich erschuf Chan Heung eine neue Kampfmethode. Er benannte sie nach seinen beiden Meistern Choy und Li. Der Beiname Fu (Buddha) wurde als Ehrung an das Shaolin Kloster hinzugefügt, dem beide entstammten. Chan Heung´s Ruhm als Kämpfer verbreitete sich schnell in der ganzen Umgebung und die ältesten des Dorfes drängten ihn, in einem nahe gelegenen Tempel eine Schule einzurichten.

Kurze Zeit später führte der massive Anstieg des illegalen Opiumhandels zwischen korrupten chinesischen Regierungs­beamten und diversen Ausländern zum Ausbruch des so genannten "Opiumkrieges". Heung und seine Anhänger traten in die Armee ein und kämpften gegen die Engländer. 1842 musste sich China als geschlagen bekennen und Chan und seine Männer kehrten in ihre Heimat zurück.

Unzufrieden und enttäuscht über die Korruption der damaligen chinesischen Manchu-Regierung und den übermächtigen Einfluss der Ausländer begann Chan überall im Lande Schulen zu errichten. In dieser turbulenten Zeit versuchten viele Geheim-Bünde durch Verschwörungen, die Regierung zu unterwandern und zu Fall zu bringen. Chan, als Befürworter dieser Bewegung, versuchte im Rahmen seiner Schulen, Anhänger für die Anti-Ching-Kampagne zu gewinnen und begann, seine Schüler auf die kommenden Auseinander­setzungen vorzubereiten.

Da seine revolutio­nären Anhänger über weite Gegenden hinweg verstreut waren, lehrte Chan eine Reihe von Schreien, durch die sie sich stets auf unauffällige Weise untereinander zu erkennen geben konnten. Die Choy Li Fut Kämpfer benutzten Schreie wie "Yik" während des Kämpfens, "Dik" bei den Kicks und "Wah" beim Reißen mit klauenartigen Bewegungen. Diese Kampfschreie, ähnlich den Kiais der Karatekämpfer, waren für Nichteingeweihte völlig bedeutungs­los. Für Chan´s Leute jedoch waren sie ein Codewort und erinnerten sie stets daran, hart zu trainieren für den baldigen Umsturz. 1864 brach die Anti-Regierungskampagne jedoch abrupt ab. Chan setzte sich in die Vereinigten Staaten ab und wurde im Alter von 59 Jahren von der chinesischen Bevölkerung San Francisco´s zum ersten Kampfsport­lehrer benannt.

Auch in fortgeschrittenem Alter war Chan im Vollbesitz seiner Geschick­lichkeit, seiner Stärke und seines Mutes. Er erledigte sogar einmal einen Tiger mit bloßen Händen. Nach vier Jahren in Amerika kehrte Chan nach China zurück, wo er sein bewegtes und turbulentes Leben ausklingen ließ. Meister Chan Heung hinterließ zwei Söhne und unzählige Anhänger, die die von ihm gelehrten Choy Li Fut Techniken weiterpraktizierten.